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Ein Plädoyer für (ADHS)-Kinder - ein Beitrag von Sozialpädagogin Charlotte Amend

Ihr wunderlieben Kindermenschen 💜🌷,

hach, mir brennt etwas auf der Seele und ich möchte euch folgende Fragen stellen: Was veranlasst uns dazu zu denken, wir müssten unsere Kinder erziehen/verändern? Was lässt uns glauben, mit unseren Kindern stimme etwas nicht? Weshalb fehlt uns der Mut, unseren Kindern Gehör zu schenken? Was macht uns so sicher, dass die Welt um uns herum richtig ist und wir unsere Kinder auf Biegen und Brechen an diese anpassen müssen?

 

Jeden Tag erlebe ich so wundervolle und einzigartige Kinder. Und ja, sie bringen uns durch ihr Verhalten an unsere Grenzen. Aber weshalb glauben wir, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung ist? Es schmerzt mein Herz, wenn ich erlebe, dass Kinder korrigiert, verbessert und berichtigt werden, um den Ansprüchen der Erwachsenen zu entsprechen. Wer sagt, dass diese Ansprüche die richtigen sind?

 

Wir dürfen endlich die alten Glaubensmuster ablegen. Solche Glaubensmuster wie:
"Das Kind hat zu funktionieren!" "Das Kind muss gehorchen!" "Dies und jenes darf nicht getan werden.“


Ich frage: Warum nicht? Was ist so schlimm daran, wenn ein Kind seine Meinung sagt bzw. durch sein Verhalten äußert?

 

Machen wir uns bewusst: JEDES KIND MÖCHTE GELIEBT WERDEN. Es möchte gefallen. Es möchte ganz wunderbar sein für die Welt. ❤

 

Was bedeutet das also im Zusammenhang mit dem Gedanken, dass ein Kind "nicht funktioniert"?
Es kann nicht anders! Es ist ehrlich. Es weist auf Missstände hin. ES SPIEGELT SEINE MITWELT!!! Nicht selten habe ich vermeintliche ADHS-Kinder erlebt, die gefühlt weit mehr Ruhe ausstrahlten als ein alter Yogi. ;-) Einfach indem sie SEIN durften. Indem sie sein durften, was und wer sie sind. Indem sie ungestört waren. Indem sie ihre wahre Essenz sein durften. Kinder, die präsent im Hier und Jetzt sind, im Flow und angebunden sind, können der erfüllendste Quell der Ruhe sein. ADHS-Symptome zeigen sie dann, wenn man sie in ihrem SEIN stört. Wenn sie das Gefühl haben nicht gesehen zu werden oder nicht gut genug zu sein. Wenn sie etwas anderes sein müssen, als sie sind. Wenn man sie dazu zwingt sich selbst zu verleugnen.


Ihr lieben Kindermenschen ❤, ich möchte euch daran erinnern, unsere Kinder SEIN zu lassen, sich ungestört entfalten zu lassen, so wie sie sind. Sie sind so richtig, wie sie nur irgend können. Und wenn euch das Gefühl beschleicht, dass etwas nicht stimmt mit dem Kind, dann sicher nicht deshalb, weil es nicht gut genug oder verbesserungswürdig ist. Schaut euch die Umstände an, mit denen das Kind konfrontiert ist.
Und bitte: Seid mutig genug, um euch selbst zu reflektieren. ❤

 

In welch krankmachende Schablonen und Konventionen möchten wir uns und unsere Kinder pressen?
Denn häufig sind es gerade die Andersdenkenden und Unkonventionellen, die Vorbild sind im Umgang mit ihren Mitmenschen. ❤

 

Und dazu möchte ich euch eine Geschichte erzählen...
Fühlt euch von Herzen gerne eingeladen auf einen erzählerischen Ausflug nach Leipzig Connewitz - dem alternativen Stadtteil Leipzigs - wo ich im letzten Sommer vor einem Pizzaimbiss saß und folgende tief bewegende Szene beobachten durfte. Berührt und in immenser Dankbarkeit möchte ich dieses Erlebnis teilen. Beim Tippen dieser Zeilen habe ich am ganzen Körper GÄNSEHAUT. ❤🙏
Ich saß also, auf mein Essen wartend, vor einem Imbiss in Leipzig Connewitz. Da kam eine junge Mutter mit ihrer ca. 9 Jahre alten Tochter und einem Hund. Sie wollten ebenfalls in diesem Laden Essen holen. Augenscheinlich gehörte die Mama der alternativen Szene an. Das Mädchen durfte offenbar tragen, was ihm gefiel, denn es war ganz in Pink gekleidet und musste sich nicht dem Kleidungsstil seiner Mutter anpassen. Das Kind hatte die Aufgabe, vor dem Imbiss auf den Hund aufzupassen, während die junge Frau drinnen das Essen bestellte. Beim Beobachten von Hund und Mädchen und dem liebevollen Umgang der beiden miteinander, war ich bereits tief berührt. Das Kind lag vertrauensvoll auf dem

tiefenentspannt wirkenden Hund und es war nicht zu übersehen, dass es ihn von ganzem Herzen liebte. Bei diesem berührenden Anblick fragte man sich, wer von beiden eigentlich auf wen aufpasste. Es war so schön zu sehen, welches Vertrauen diese Mutter in die beiden hatte und das ganz zu Recht. ❤


Als die junge Frau nach einiger Zeit wieder aus dem Imbiss herauskam, entdeckte sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwei Bekannte. Es waren Punks. Die kleine Familie wechselte sogleich die Straßenseite. Und was mir hierbei besonders auffiel, war die Glückseligkeit und die
Lebendigkeit, die das Mädchen ausstrahlte. An der Hand seiner Mama tänzelte und hüpfte es so wunderbar leicht und fröhlich über die Straße. Drüben angekommen begrüßte die Mutter die beiden jungen Männer. Und was ich dann erleben durfte, ließ mir vor Rührung fast die Tränen in die Augen steigen. Diese beiden „dreckigen" Punks, diese „räudigen Zecken" unserer Gesellschaft gaben dem kleinen, pink gekleideten, neunjährigen Mädchen respektvoll die Hand zur Begrüßung. ❤🙏

 

Während sich nun die Erwachsenen unterhielten, turnte die Kleine frei in ihrem Sein auf einem Geländer herum. Keiner der drei Erwachsenen ermahnte oder korrigierte sie. Nein, sie ließen alles vertrauensvoll geschehen. Das Mädchen durfte sein, was und wer es war. Frei. Lebendig. Liebenswert. Als das Kind Durst bekam, gab ihm die Mutter fürsorglich etwas Geld und es ging damit ganz selbstverständlich und „unbewacht" zum nächsten „Späti", um sich etwas zu trinken zu kaufen. Als das Mädchen wieder zurückkam, entdeckte plötzlich der Hund der kleinen Familie einen Artgenossen unweit von seinem Platz und lief schnurstracks zu diesem hin. Die junge Frau, die sich gerade eine Zigarette angezündet hatte, wollte den Hund zurückholen und übergab ihrer Tochter derweil ihre brennende Zigarette, um diese festzuhalten. Ja, darüber könnte man an dieser Stelle nun streiten. Doch auch wenn es sich jetzt etwas merkwürdig anhört, ich war einfach nur bis ins tiefste Innerste berührt. Denn was ich wahrnahm war eine zu tiefst vertrauensvolle und bedingungslos liebende Mama und daneben ein unbegrenzt glückliches, freies Kind mit unermesslichem Selbstvertrauen. ❤❤❤


Am Ende verabschiedeten sich die beiden Punks von dem Mädchen wieder mit einem Handschlag, was ich einfach nur verdammt cool und beeindruckend fand. Denn sie zollten dem Kind den gleichen Respekt wie einem Erwachsenen. Sie behandelten es nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Und wie schon zuvor hüpfte das Mädchen bedingungslos geliebt, frei, glückselig und das Leben liebend an der Hand ihrer Mama über die Straße. ❤

 

❤🌷🌿🌹❤🌷🌿🌹❤🌷🌿🌹❤🌷🌿❤

 

Und irgendwo in Mitten von Leipzig Connewitz erblüht eine kleine, pinkfarbene Blume in ihre allergrößte Kraft. 🙏❤ ... weil man sie lässt. ❤🌷🌹

 

Deine charlotte

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Kommentare: 1
  • #1

    Dieter Martin (Montag, 25 November 2019 20:48)

    Liebe Charlotte, schön dass Du das teilst. Ich bin vor 15 Jahren in Kontakt mit einer Schule gekommen die ähnliche Grundmuster hatte. Ich war begeistert, leider hatte die Schule nicht lange bestand. In Leipzig wird es bestimmt besser klappen. Und in Frankreich, wurde für deutsche Eltern, die ihre Kinder in Homeschooling unterrichteten, die entsprechenden Materialien und Unterstützung gegeben. Ein grossen Teil der Kinder die ich damals kennen lernte, sind heute gesunde, erfüllte und erfolgreiche Menschen geworden. Welch ein Segen für unsere Gesellschaft. So empfinde ich den hier gelesenen Bericht mit der gleichen Freude und Hoffnung.

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