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Wenn der Willi nicht darf, wenn er will, kann er auch nicht, wenn er soll. - von Annika Becker

Lieber Willi,

 

mit dir ists so ne Sache! Du stresst uns. Du überforderst uns. Du machst uns unsicher.

Jeder der ein Kind hat, wird mir da zustimmen. Spätestens im Kleinkindalter fühlen wir uns von ihm übermannt. Er scheint unsere, eben noch unschuldigen, süßen Engel über Nacht zu Monstern zu machen. Riesengroß ist er. Und das Scheinwerferlicht liebt er. Er macht uns zeitweise Angst. Er scheint nicht zu bewältigen und er lässt uns unsere Grenzen spüren, damit macht er uns auch ein bisschen hilflos.

 

DIESER WILLE.

 

Wir schimpfen auf ihn, versuchen ihn zu zähmen und ihn irgendwie schwächer zu machen, im Zaum zu halten, damit er nicht so bedrohlich auf uns wirkt. Irgendwie scheint er auch gesellschaftsunfähig, so ganz und gar unflexibel und kompromisslos.

 

Gerade komme ich von einer Geburtstagsfeier, mit locker zwei Händen voll 2Jähriger. Und die Heimfahrt ließ mir Raum, mal mit dem „starken Willi“ ins Gespräch zu gehen.

 

Ich: „Willi, wer bist du eigentlich?“

Willi: „Der beste Freund deines Kindes.“

Ich: „Welche Funktion hast du?“

Willi: „Ich bin Sprachrohr, Verfächter, Befähiger, Bergeversetzer.“

Ich: „Und warum bist du so kompromisslos?“

Willi: „Um Berge zu versetzen braucht es Kraft.“

Ich: „Und was willst du?“

Willi: „Mal dies. Mal das. Mal suche ich. Mal finde ich. Mal weiß ich es nicht genau. Eigentlich wie Du. Wie jeder.“

 

Ich: „Und was willst du von mir?“

Willi: „Ich will, dass du mir zuhörst. Dass du mich akzeptierst und mich sein lässt wie ich bin. Dass du mich unterstützt und auf mich aufpasst. Die Großen wollen mich immer brechen. Aber dann wäre dein Kind doch nur noch ein Schatten seiner selbst.“

Ich: „Aber du bist oft laut und unhöflich.“

Willi: „Ich werde noch lauter wenn ich nicht sein darf und man mich nicht versteht. Und noch habe ich den Sinn und Zweck von Höflichkeit nicht verstanden.“

Ich: „Aber vielleicht würden wir lieber zuhören, wenn du leiser wärst. Und höflicher.“

Willi: „Dafür brauche Ich Zeit. Zeit und Beispiel. Und Versuche. Raum. Und Liebe. Um zu verstehen, dass ich wollen darf, leise und laut.“

 

 

 

Lieber Willi, ich glaube verstanden zu haben wer du bist, was du willst und was du brauchst. Du bist der Rückenwind, den mein Kind brauchen wird, wenn es mal steiler bergauf geht. Du bist der Motor, der ihm Antrieb verleiht. Du schlägst die Schlachten, die gewonnen werden wollen. Du bist Schutzschild und Schwert zugleich. Dich brauchen wir alle. Wir sollten gut auf dich aufpassen, du bist so wichtig wie unsere Kinder selbst. Du wirst dich selbst in Form bringen, andere Willen kennenlernen und daran wachsen. Dein Ausdruck wird sich verändern, so wie alles an unseren Kindern. Aber dein Kern muss bleiben. Unverändert und mittendrin.

 

Liebe Eltern, der Wille unseres Kindes treibt uns vielleicht manchmal in den Wahnsinn. Besonders seine Wucht. Aber lasst uns mit ihm handeln, lasst uns ihn als Freund unserer Kinder erkennen. Denn sind wir mal ehrlich, wenn wir ihn im Kleinkindalter brechen, sehnen wir ihn zurück, sobald unsere Kinder ohne uns losziehen. Schon auf der Schulbank wünschen wir uns, dass unsere Kinder sich behaupten, so ganz allein. In der Pupertät wollen wir, dass unsere Kinder in den richtigen Momenten NEIN sagen. Auch im Erwachsenenalter heißt es plötzlich wieder: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“. Und „du musst es nur genug wollen“. Das Internet ist voll von Kursen und Büchern, wie wir lernen Nein zu sagen. Wir konnten das längst.

 

Der Wille muss auch wollen dürfen!

 

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